Contra Soarda: Warum dieser Betrieb aus dem Veneto meine Sicht auf biodynamischen Weinbau verändert hat
Die Weinberge von Vignaioli Contra Soarda bei Bassano del Grappa – Steillagen zwischen Alpenvorland und venezianischer Ebene.
Ich sage es direkt: Ich bin skeptisch gegenüber Biodynamik-Marketing. Wer ein paar Jahre in Geisenheim verbracht hat, lernt schnell, die Grenze zu ziehen zwischen fundierter Phänomenologie und dem, was auf Weinmessen gerne als „Rückkehr zur Natur“ verkauft wird. Deshalb war mein erster Kontakt mit Vignaioli Contra Soarda kein Erlebnis im Weinberg, sondern ein Gespräch über Böden. Über Tonschiefer, Kalkgestein und Eisenoxid. Und da wusste ich: Hier spreche ich mit jemandem, der es ernst meint.
Bassano del Grappa – ein Terroir, das man verstehen muss
Das Veneto ist weinpolitisch ein schwieriges Pflaster. Soave in der Industrieversion, Pinot Grigio en masse für den Export – die Region hat jahrzehntelang Menge über Qualität gestellt. Umso interessanter, was am nordöstlichen Rand passiert, dort wo die Voralpen beginnen und das Klima plötzlich eine Dualität bekommt, die man als Önologe liebt: alpine Frische in der Nacht, mediterrane Wärme am Tag.
Genau hier liegen die Parzellen von Contra Soarda. Die Weinberge stehen auf steilen Hängen mit kargen, mineralischen Böden, die die Reben unter Stress setzen – im besten Sinne. Wenig Nährstoffe, gute Drainage, tiefe Durchwurzelung. Das sind Bedingungen, die autochthone Rebsorten wie Vespaiola, Tocai und Cabernet Franc brauchen, um Charakter zu zeigen, statt einfach nur reife Frucht zu liefern.
Biodynamik: Was hier tatsächlich anders gemacht wird
Eleonora und ihre Familie arbeiten seit Jahren nach Demeter-Prinzipien – und zwar nicht als Zertifikat auf dem Etikett, sondern als tatsächliche Bewirtschaftungsphilosophie. Im Gespräch fällt das Wort „Marketing“ kein einziges Mal. Stattdessen reden wir über Kompostierungsprozesse, über den Einsatz von Hornmist-Präparaten zur Förderung der Mykorrhiza-Aktivität und darüber, warum Schafe und Esel im Weinberg mehr sind als ein romantisches Bild für Instagram.
Die Tiere erfüllen eine konkrete Funktion: Sie lockern mechanisch verdichtete Bodenstrukturen auf, liefern organische Substanz und reduzieren den Unterwuchsdruck ohne Herbizide. Das klingt simpel – ist aber weinbaulich konsequent gedacht. Denn ein lebendiger Boden mit aktiver Mikrobiologie ist die Grundlage für das, was wir später im Glas als Mineralität oder Tiefe beschreiben.

Die Esel von Contra Soarda – kein Dekor, sondern aktiver Teil des Kreislaufs im biodynamischen Weinbau.
Lese von Hand, Spontangärung, minimaler Schwefelzusatz, kein Einsatz von Enzymenpräparaten oder industriellen Reinzuchthefen – das alles ist für Contra Soarda Standard, nicht Ausnahme. Im Keller wird begleitet, nicht gelenkt.
Was diese Weine im Glas tatsächlich zeigen
Der Breganze Vespaiolo ist das Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn eine alte autochthone Sorte auf den richtigen Boden trifft und in Ruhe gelassen wird. Kräuterwürze, ein leicht salzig-mineralischer Abgang, eine Spannung im Mittelteil, die man bei international ausgerichtetem Weißwein selten findet. Kein Schmeichler, aber ein Wein, der beim dritten Glas noch interessanter wird.
Die Riserva-Weine zeigen, was mit etwas Zeit in der Flasche passiert: Die Tannine werden seidiger, die tertiären Aromen von Leder, Tabak und getrockneten Kräutern schieben sich in den Vordergrund. Kein blockbusterhaftes Fruchtbombenbild, sondern strukturierte Eleganz – das ist der Stil des Nordens.
Wer erwartet, dass biodynamische Weine per se „naturig“ im negativen Sinn sind – trüb, instabil, unberechenbar – wird hier eines Besseren belehrt. Die Weine sind sauber, präzise und trotzdem lebendig. Das ist handwerkliches Können, kein Zufall.
Warum dieser Betrieb bei Tuttolomondo im Sortiment ist
Ich könnte jetzt schreiben, dass wir Weine mit Seele suchen – tue ich aber nicht, weil das nichts aussagt. Was wir bei Tuttolomondo suchen, sind Produzenten, bei denen der Wein eine klar nachvollziehbare Herkunft hat: erkennbares Terroir, erkennbare Handschrift, erkennbare Rebsortentypizität.
Contra Soarda erfüllt das auf jedem Level. Man trinkt nicht einfach einen Weißwein aus dem Veneto – man trinkt Breganze, man trinkt Vespaiola, man trinkt die Entscheidungen einer Familie, die seit Jahren denselben Weg geht, egal ob er gerade im Trend liegt oder nicht.
Das ist der Unterschied zwischen einem guten Wein und einem Wein, der einen Grund hat.

Die Familie Gottardi vor dem Weingut Vignaioli Contra Soarda in Bassano del Grappa.
Biodynamischer Wein aus dem Veneto – handwerklich, charakterstark, mit klarer Herkunft.
Jetzt im Shop entdecken